30. Thüringer Weinprinzessin Roksolana kurz vor dem Bergfest: Ein kleines Mädchen mit einem Traum. Eine junge Frau mit Ambitionen. Eine Prinzessin mit viel Liebe im Herzen, für sich und die Welt.
30. Thüringer Weinprinzessin Roksolana kurz vor dem Bergfest: Ein kleines Mädchen mit einem Traum. Eine junge Frau mit Ambitionen. Eine Prinzessin mit viel Liebe im Herzen, für sich und die Welt.
Mit einem charmanten Lächeln setzt sie sich an ihren Schreibtisch im Büro. Die Tagungsmappe wird aufgeschlagen, der Computer hochgefahren, entschieden fliegen die Finger über die Tastatur. Sie hält kurz inne. Das hat sie sich immer vorgestellt. Hier nehmen die nächsten Veranstaltungen, Meetings, Tagungen und Feiern ihren Anfang – in den Händen einer wahren Hoheit. Voller Begeisterung versucht die eifrige Planerin, individuelle Wünsche zu realisieren, jeder Gast des Hauses soll sich rundum wohlfühlen. Das schafft sie, wenn die Gäste sie bei einem erneuten Besuch wiedererkennen und sagen: »Ach, Sie sind’s doch! Wir wurden so herrlich empfangen …«
Roksolana Hlynchak, 22 Jahre, arbeitet im Hotel an der Therme Bad Sulza in der Veranstaltungsabteilung und im Restaurantservice vom »Felix«. Sie wurde in sonntäglicher Tradition beim Weinfest in Bad Sulza am 17. August 2025 zur 30. Thüringer Weinprinzessin gekrönt. Als diese repräsentiert sie nun ein Jahr lang Thüringen, das Weimarer Land und die Kur- und Weinstadt Bad Sulza und insbesondere den Weinanbau der Weinregion um Saale und Unstrut in allen Facetten, mit ihren Menschen. Aufregende Orte und köstliche Weine stehen auf der Liste, die weniger ein To-Do als mehr eine Herzensangelegenheit ist. Das Weinwissen hat sie im Laufe ihres Lebens gesammelt.
Abwechslung fasziniert
Mit 18 Jahren hat sie im Hotel an der Therme die dreijährige Ausbildung zur Hotelfachfrau begonnen, aufgrund herausragender Leistungen sogar ein halbes Jahr früher beendet. Ebenfalls im Resort Schloss Auerstedt war sie zur damaligen Zeit erweiternd im Restaurant tätig, hat viel mit Wein zu tun gehabt, ihn kennen und lieben gelernt, zum Beispiel vom Thüringer Weingut Bad Sulza. »Als Hotelfachfrau kann ich in fast allen Hotelbereichen arbeiten«, sagt Roksolana stolz auf sich. »Ich organisiere derzeit Veranstaltungen von Anfang bis Ende, von der Vorbereitung bis zur Betreuung vor Ort, habe die Berührung mit dem Gast. Mich fasziniert die Abwechslung am Beruf und dass man mit jeder Situation neu umzugehen lernt. Ich bin mit den verschiedenen Abteilungen in Kontakt und das macht so viel Spaß. Wir sind ein Team und wir ergänzen uns.«
Die Gabe, sich die Fröhlichkeit zu bewahren
Hotel-Residence Managerin und Arbeitgeberin Susanne Wündsch erinnert sich: »Roksolana ist mir schon die ganze Zeit positiv aufgefallen. Sie hat die seltene Gabe in der heutigen Zeit, sich die Fröhlichkeit zu bewahren, nicht nur gegenüber Gästen und Mitarbeitenden, sondern vor allem auch für sich selbst, die man spürt und fühlt, die ansteckt, die sie authentisch nach außen gibt. Sie leuchtet wahrlich von innen heraus. Zu ihrem Ausbildungsende im Februar 2024 wusste sie noch nicht genau, wo es sie hin verschlägt, sie wollte gerne bleiben, dann haben wir ihr frei gestellt, egal was, wir finden einen Platz. Wir wollten sie unbedingt behalten. Dann kam irgendwann die Eingebung bei ihr, dass sie in die Veranstaltungsabteilung möchte. Da haben wir sie übernommen. Da ist sie ein absoluter Zugewinn. Hier zählt Kundenkontakt, Betreuung, gastronomisches und hotelseitiges systemisches Know-How, was sie alles gelernt hatte und nun einbringt. Ich habe auch so einiges von ihr gelernt. Eine bemerkenswerte junge Frau, die inspiriert.«
Jährlich nimmt das Hotel in Bad Sulza etwa ein Dutzend neuer Auszubildender und dual Studierender auf. Teils von weit her beweisen junge Menschen Mut, Ehrgeiz und Durchhaltevermögen aus Indien, der Ukraine, der Mongolei, Georgien, China, Vietnam, Usbekistan, Tadschikistan. Vielfältige Berufswege in der Hotellerie, Gastronomie, in Freizeit, Tourismus sowie Büro- und Gesundheitsmanagement können im Wellnesshaus eingeschlagen werden. Die Lernenden profitieren am Standort Bad Sulza/Auerstedt von einer verzahnten Unternehmensgruppenstruktur, die Herausforderungen eröffnet, persönliche und berufliche Kompetenzen stärkt und erweitert und die Ausbildungsqualität erhöht. »Du kannst die besten Möglichkeiten und Voraussetzungen haben, aber nichts draus lernen. Das ist beiderseitige Investition, die ich hier erfuhr.«
Passendes Puzzleteil
Heike Schäfers-Gurski, Ausbildungskoordinatorin der Unternehmensgruppe Toskanaworld AG hebt den Stellenwert hervor, den die Aufnahme von internationalen Fachkräften hat, die Zukunft des Unternehmens im touristischen Markt zu sichern. Wovon Roksolana ein passendes Puzzleteil ist. Die Mehrheit der eigenen Berufsanwärter aus dem In- wie Ausland findet nahtlos an ihre Lehrzeit eine Anstellung im Unternehmen.
»Wir arbeiten schon seit etlichen Jahren mit dem Firmenausbildungsverbund Gotha und der IHK Erfurt zusammen und haben seit 2012 immer Auszubildende aus dem Ausland unterschiedlicher Projekte vor Ort. 2021 während der Corona-Pandemie hatten wir Vorstellungsgespräche per Videocall. Ich bekomme Vorschläge, erhalte Bewerbungsunterlagen, kann mir dann von den Bewerbenden im Zoom-Meeting ein Bild machen. Und ich muss zugeben, eigentlich waren meine Plätze alle schon voll und dann kam Roksolana daher. Die sich beworben hat, ein bisschen später reingerutscht ist und mit ihrem Auftreten so für sich geworben hat, dass ich damals gesagt habe, sie möchte ich definitiv gewinnen. Aber ich habe keine Restaurantstellen mehr frei, wer jetzt noch kommt, muss Hotelfachfrau lernen. Das hat sie mit Bravour gemeistert. Sie hatte einfach eine umheimlich tolle Art auf Menschen zuzugehen, Fröhlichkeit zu verbreiten und zwar die angenehme, die echte von Herzen und mit Begeisterung. Soweit, dass wir sie zur Ausbildungsbotschafterin förderten und forderten, dass sie vorbereitet war, auf Messen zu gehen, vor Publikum zu sprechen, die We3B, schwärmt Roksolana.
Zu Hause – das ist in Lviv, ganz im Westen der Ukraine. Etwas mehr als 700.000 Einwohner (derzeit zirka eine Million Menschen, gestiegen durch Binnenvertriebene). Siebtgrößte Stadt des Landes. Seit Jahrhunderten vom Zusammenleben mehrerer Ethnien aus Ukrainern, Deutschen, Armeniern, Belarussen, Polen und anderen geprägt. Die Altstadt ist Teil des Unesco-Weltkulturerbes. Und Lvivs mediterranes Flair lässt die Brücke schlagen zur Kulturlandschaft der »Toskana des Ostens«, worin das thüringische Bad Sulza eingebettet ist. Als war es für Roksolana bestimmt, hierher zu finden.
»Das war alles richtig klasse organisiert.«
In Lviv ist sie geboren, zur Schule gegangen, hat bereits eine Ausbildung zur Hotelfachfrau mit Bestnoten abgeschlossen gehabt. In Deutschland zu leben und zu arbeiten, war immer ihr großer Traum. Im Rahmen eines deutsch-ukrainischen Projekts hatte sie deutsch auf B1- und B2-Niveau gelernt und wurde auf Partnerbetriebe gestoßen, wo sie vom Hotel an der Therme las. »Da fahr ich hin!«, hat sie sich gesagt. Im Sommer 2021 folgten Taten und sie hat zuerst in der Nähe von Hamburg in einem McDonalds gejobbt. Sie wollte ihre sprachlichen Fähigkeiten trainieren, reden und verstanden werden, bevor sie kurz zurück in die Ukraine reiste, um ihre Familie noch einmal zu umarmen und im September 2021 in Bad Sulza zu starten noch vor dem russischen Angriffskrieg im Februar 2022. »Das Bewerbungsgespräch verlief super, es hat sofort gepasst und ich war motivierter als je zuvor.« Roksolana bekam Hilfe bei der Wohnungssuche, Behördengängen, Zugtickets etc. »Das war alles richtig klasse organisiert.«
»Ich erinnere mich noch gut an ein Gespräch mit meiner Mama, als wir zusammensaßen und es die Zeit war, wo es darum ging, was möchte ich machen, wo möchte ich hin. Und da waren Hotel und Deutschland einfach gleich präsent. Vielleicht irgendwann ein eigenes haben …« Sie schmunzelt. »Mama hat mich darin bestärkt weiterzumachen. Ohne meine Mama, meinen Papa, meine Schwester wäre alles nicht.« Einen Monat nach Ende ihrer Ausbildung im Februar 2024 wurde das Glück noch einmal geteilt und es kamen Zwillingsschwestern dazu. »Meine Familie möchte in der Ukraine bleiben, weil sie sich dort ihr Leben aufgebaut haben. Ich bin trotzdem nicht alleine, weil meine Kollegen und auch andere ukrainische Freunde stets an meiner Seite sind. Da schätze ich mich selbst überaus glücklich.«
Hoffen auf Frieden von Dauer
Familie Hlynchak hofft auf das Ende des Krieges und dass Frieden von Dauer ist. Ein Haus gegenüber wurde bombardiert und die Wucht zerschlug die eigenen Fenster. Mama Hlynchak bringt dann geistesgegenwärtig die Kinder ins Badezimmer, wo keine Fenster sind und keine Glassplitter sie treffen könnten. Aber mehr noch freuen sie sich unfassbar über ihr kleines Mädchen, was sie erreicht hat. Der Krieg ist gefährlich gewöhnlich geworden, Raketenflüge werden ständig über Warnapps verfolgt, während des Luftalarms schlafen manche schon tief und fest. Alle blieben bisher unverletzt. »Die Woche vor der Krönung bin ich zuletzt zu Hause gewesen. In dieser heißesten Phase des Weinprinzessinnenjahres – wer wird die nächste, konnte ich fernab nochmal an meinem liebsten Ort sein. Meine Eltern rufen mich jeden Tag an, freuen sich, fragen wie es dort und dort war und so können sie Teil meines Alltags sein. Meine Freunde haben am Tag die ganze Zeit das Handy hochgehalten, Videotelefonie angehabt und meine Familie hat die gesamte Krönung mitverfolgt. Das war ein tolles Gefühl, sie mit mir zu wissen, auch wenn sie nicht da sind.«
Gäste sind verzückt
Die Gäste im Hotel sind verzückt, wenn sie die Frau vom Weinflaschenetikett erkennen, wenn sie das Prinzessinnenauto auf dem Parkplatz stehen sehen. Sie bescheinigen ihr eine ungebrochene Freude, an dem, was sie tut, seit sie angekommen ist.
Roksolana verzaubert die Weinwelt, unerschüttert, mit einer inneren Stärke, die sie aus ihrem Arbeitsumfeld schöpft, wo Kollegen schon längst gute Freunde und Unterstützer geworden sind. Wonach sie lebt: »Es ist immer die richtige Zeit für das, was sein soll. Und wenn nicht, dann soll es nicht sein. Die Zeit zeigt, wie sich alles entwickelt. Und so habe ich keine Angst, vor dem, was passieren mag. Es passiert.«
Text + Foto: Petra Lulei