8. März 2026. Wir feiern den Internationalen Frauentag auf der Ordensburg Liebstedt. Unter dem Motto Pink und Frühlingserwachen war die Festhalle der Burg brechend voll. Die Modeschauen von Kaseee, Apolda und dem Modetheater Black&Beauty zogen die Frauen in ihren Bann. Die Hutmoden Einzig-ART-ige Momente aus Apolda führten ihre pinken und Frühlingskreationen vor und das Herrengossenstedter Männerballett ließ die Muskeln spielen, bevor die Beatcorner aus Weimar mit DJ Dirk Böttcher die Damen auf die Tanzfläche lockte. Alles in allem: ein abwechslungsreicher und gelungener Abend.
8. März 2026. Wir feiern den Internationalen Frauentag auf der Ordensburg Liebstedt. Unter dem Motto Pink und Frühlingserwachen war die Festhalle der Burg brechend voll. Die Modeschauen von Kaseee, Apolda und dem Modetheater Black&Beauty zogen die Frauen in ihren Bann. Die Hutmoden Einzig-ART-ige Momente aus Apolda führten ihre pinken und Frühlingskreationen vor und das Herrengossenstedter Männerballett ließ die Muskeln spielen, bevor die Beatcorner aus Weimar mit DJ Dirk Böttcher die Damen auf die Tanzfläche lockte. Alles in allem: ein abwechslungsreicher und gelungener Abend.
Während um mich herum gelacht, getanzt und angestoßen wird, schleicht sich zwischen zwei Musikstücken eine andere Frage in meine Gedanken: Wie sind wir Frauen eigentlich hier gelandet? Nicht nur heute Abend – sondern überhaupt. Die Geschichte der Emanzipation wird gern wie eine gerade Linie erzählt: Früher Unterdrückung, dann Aufklärung, schließlich Fortschritt. Frauen erkämpfen sich Rechte, die Gleichstellung wächst, die Gesellschaft wird modern, aufgeklärt, strotzt vor Akzeptanz und Toleranz bis hin zur Genderfluidität. Ende der Geschichte?
Sie scheint im Moment zumindest einen Umweg zu machen – oder vielleicht sind wir ja auch schon wieder beim „Kommando zurück“ angekommen? Nach dem, ich unlängst las, ist die hohe Prozentzahl der Genz-Z Männer der Überzeugung, mit der Gleichberechtigung wäre es jetzt aber weit genug gegangen und bevorzugen ihre Mädels wieder im Heim am Herd. Und nicht nur Männer finden wieder Gefallen an dieser Sichtweise.
Aber beginnen wir vor, tauchen wir in die Geschichte ein und fangen bei den bildlichen Überlieferungen aus der Prähistorie an: Wer alte Darstellungen betrachtet, wundert sich, ob das das menschliche Leben auf Erden wirklich schon immer von der Herrschaft des Mannes geprägt war. Vielleicht war es ja doch anders?
Venusfiguren und eine verdächtig fehlende Mähne
In der Heraldik und in urzeitlichen Steinarbeiten erscheinen „Löwen“ fast immer ohne Mähne – etwa am Löwentor in Mykene – und erinnern damit eher an Löwinnen. Löwinnen standen symbolisch für Wächterinnen oder Beschützerinnen, was man dem männlichen (faulen?) Löwen nicht gerade nachsagt, der ja auch in der Natur alles seinen Weibchen überlässt vom Jagen bis zum Kinderkriegen.
Auch zeigen viele der ältesten bekannten Figuren der Menschheit, etwa die Venus von Willendorf, weibliche Körperformen. Es gibt männliche Steinstatuen, allerdings auffällig wenige. Und auffällig bei diesen ist auch die Tatsache, dass trotz einer insgesamt rauen, unebenen Oberfläche bei vielen insbesondere der Thorax ungewöhnlich glatt gearbeitet ist. Ob da wohl nachträglich eine Feile angesetzt wurde? Wissen wir nicht. Wissen tun wir aber, dass die meisten Archäologen und Wissenschaftler, die sie ausgebuddelt und beurteilt haben, eindeutig Männer waren, denn zu diesen Entdeckungszeiten waren Frauen in der Wissenschaft ein absolutes No-Go. Ebenso skeptisch steht die Männlichkeit der These gegenüber, dass viele frühe Ur-Gesellschaften zumindest matrilinear (Abstammung über die Mutter) oder matrilokal (Wohnort bei der Familie der Frau) organisiert gewesen sein könnten. Sicher ist immerhin: Matrilineare Strukturen existierten und existieren in verschiedenen Kulturen. Es gibt sie bis heute, vornehmlich in Asien.
Wo die Hausherrin das Sagen hatte
Rennen wir durch die Jahre ins frühe Altertum und schauen uns dort einmal um: In den germanischen und nordischen Gesellschaften der frühen europäischen Geschichte hatten Frauen eine deutlich stärkere Stellung. Sie konnten Besitz erben, verwalten und selbstständig über wirtschaftliche Angelegenheiten entscheiden. Besonders im skandinavischen Raum blieb auch innerhalb einer Ehe das eingebrachte Vermögen Eigentum der Frau. Während Männer auf Handelsreisen, Expeditionen oder Kriegszügen unterwegs waren, führten Frauen Höfe, organisierten Arbeit, beaufsichtigten Bedienstete und trafen wirtschaftliche Entscheidungen. Die Hausherrin – in altnordischen Quellen als húsfreyja bezeichnet – war damit nicht bloß Ehefrau, sondern eine zentrale Autorität innerhalb der Gemeinschaft. In den Sagas tauchen zudem Frauen als Händlerinnen, Verwalterinnen oder politische Beraterinnen auf. Es waren Frauen, Walküren, die das Glück auf dem Schlachtfeld entschieden. Und in den letzten Jahren wird die Männlichkeit so mancher Kriegergräber mit Waffenbeilagen zunehmend angezweifelt. Knochen lügen eben nicht. Wenn sie weiblich sind, sind sie weiblich (also rein DNA-mässig-biologisch gesehen).
Auch außerhalb Europas finden sich ähnliche Beispiele. In vielen indigenen Kulturen Nordamerikas waren Frauen zentrale Trägerinnen der sozialen Ordnung. Bei den Haudenosaunee (Irokesen) gehörte Land traditionell den Clans – und diese Clans wurden von Frauenlinien organisiert. Clan-Mütter bestimmten über landwirtschaftliche Nutzung, verwalteten Ressourcen und hatten erheblichen politischen Einfluss. Sie konnten sogar entscheiden, wer als politischer Anführer eingesetzt oder abgesetzt wurde. Auch in anderen indigenen Gesellschaften Nord- und Südamerikas waren wirtschaftliche Verantwortung, politische Mitwirkung und spirituelle Autorität von Frauen selbstverständlich.
Die Rollen von Männern und Frauen unterschieden sich zwar – doch sie waren selten als Hierarchie organisiert. Viel mehr handelte es sich um ein System gegenseitiger Verantwortung. FRAUEN SCHENKEN LEBEN; MÄNNER BESCHÜTZEN ES, könnte man gemeinhin die Devise nennen (obwohl es nicht ungewöhnlich war, dass auch Frauen den Männern hier zur Seite standen, wenn diese Hilfe dabei brauchten. Frauen sind eben vielfältig.).
Als die heilige Ordnung plötzlich sehr männlich wurde
„Der Mensch ist von Natur aus frei, doch damit war es schnell vorbei, als uns‘re heilge Kirche an die Macht kam – und wehe, wer sich danach nicht in Acht nahm …“ sang Robert Long in seinem deutschsprachigen Album Homo Sapiens aus dem Jahr 1981. Ausgesprochen satirisch und recht kritisch.
Es lässt sich aber nicht leugnen, dass mit der Macht großer Religionen und ihrer Institutionen, hauptsächlich abrahamitischer Art, sich das Bild der Frau in vielen Gesellschaften grundlegend veränderte. Aus Partnerinnen mit eigener Autorität wurden zunehmend Wesen, denen Gehorsam und Demut zugeschrieben und außerhäusliche Aktivitäten verboten wurden. Das ging sogar soweit, dass ein christlicher Kirchengründer empfahl,h rückwärts. Vielleicht wurden aber auch Feminismus und Emanzipation dermaßen überzogen, dass ein gewisser Prozentsatz der heutigen modernen jungen Generation sich nicht mehr damit identifizieren kann, und das Pendel schwingt deshalb in die andere Richtung. Die Zukunft wird uns zeigen, ob und wie diese Strömung sich etabliert oder ob sie ein Randphänomen bleibt.
Was auch immer die Zukunft für uns Frauen bereithält – hier in der westlichen Welt oder anderswo. Wir haben jetzt erst einmal den Internationalen Frauentag am 8.3.2026 auf der Ordensburg Liebstedt ordentlich gefeiert und genossen. Beate Wiedemann und Dirk Schütze, erfahrene Frauentagsmoderatoren, führten uns durch den Abend - und es gab keine Frau, die an diesem Abend nicht nach Hause ging ohne das schöne, wissende und wärmende Gefühl: Wie schön ist’s, eine Frau zu sein!
Edit Engelmann
Foto: Jörg Schuster