Unter dem Titel »Leben mit Katastrophen« widmete sich ein Veranstaltungswochenende am 6. und 7. Juni 2026 im Conference Center Bad Sulza dem bevorstehenden 85. Jahrestag des Angriffs Deutschlands auf die Sowjetunion am 22. Juni. Der durch Veröffentlichungen über den Nationalsozialismus in Thüringen und über Internierungs- und Konzentrationslager in Nohra und Bad Sulza bekannte Autor Udo Wohlfeld lieferte in einem Vortrag neue Erkenntnisse über das sowjetische Kriegsgefangenenlager in der heutigen Kurstadt.
Unter dem Titel »Leben mit Katastrophen« widmete sich ein Veranstaltungswochenende am 6. und 7. Juni 2026 im Conference Center Bad Sulza dem bevorstehenden 85. Jahrestag des Angriffs Deutschlands auf die Sowjetunion am 22. Juni. Der durch Veröffentlichungen über den Nationalsozialismus in Thüringen und über Internierungs- und Konzentrationslager in Nohra und Bad Sulza bekannte Autor Udo Wohlfeld lieferte in einem Vortrag neue Erkenntnisse über das sowjetische Kriegsgefangenenlager in der heutigen Kurstadt.
Nach mehr als dreißig Jahren intensiver Recherche und Dokumentensammlung konnte der Referent in der von Marion Schneider moderierten Veranstaltung belegen, dass es auf dem Gelände des heutigen Freibades in Bad Sulza nicht nur ein Lager für Kriegsgefangene der westlichen Alliierten gab, sondern auch abgesondert ein Lager für sowjetische Kriegsgefangene, deren Insassen unter erbärmlichen Bedingungen lebten.
»Unvollständige Betrachtung«
Der Autor und Philosoph Dr. Hauke Ritz beleuchtete in seinen Ausführungen die Hintergründe des Angriffs Deutschlands auf die Sowjetunion und leitete den ideologischen Antrieb für diesen Vernichtungskrieg her. Demnach wurde der Antisemitismus als Instrument genutzt, um vor allem den Antibolschewismus als Feindbild zu etablieren, der die Kapitalinteressen in der kapitalistischen Gesellschaftsordnung bedrohte. So wurde der Begriff des »jüdischen Bolschewismus« geschaffen. Die Reduzierung der Nazi-Verbrechen auf den Holocaust sieht Ritz in der historischen Betrachtung als unvollständig an. Er zitierte aus Feldpost deutscher Soldaten, die deren verinnerlichte Ideologie zum Ausdruck brachten, welche eine Voraussetzung für deren skrupellose, fast schon lustvolle, Ermordung der entmenschlichten slawischen, oft jüdischen, aber auf jeden Fall bolschewistischen Bevölkerung waren.
Der Vortrag von Prof. Klaus-Dieter Kolenda ergänzte Ritz mit dem Thema »Belarus unter deutscher Besatzung 1941 – 1944«. In Weißrussland hinterließ die Wehrmacht zweimal »verbrannte Erde«: beim Einmarsch und beim Rückzug. Von den zirka 27 Millionen Sowjetbürgern, die in diesem Krieg ihr Leben verloren, wurde ein Drittel der Bevölkerung Weißrusslands, etwa drei Millionen Menschen, vernichtet.
Weil Bilder mehr sagen als Worte, wurde der sowjetische Film »Komm und sieh« gezeigt, basierend auf den literarischen Vorlagen des belarussischen Schriftstellers Ales Adamowitsch. Das Werk gilt als einer der intensivsten Antikriegsfilme der Kinogeschichte und zeigt die erbarmungslose Ausrottung der weißrussischen Bevölkerung. Es ist beispielsweise zu sehen, wie SS-Einsatztruppen die Dorfbewohner in ihre Kirche treiben und diese unter großem Jubel anzünden. Wer versuchte, zu fliehen, wurde erschossen. Auf diese Weise wurden in Belarus 9.200 Städte und Dörfer niedergebrannt.
Kultur- und Bürgeraustausch
Prof. Klaus-Dieter Kolenda bereiste Weißrussland mit Jan Gorski im Jahr 2025. Sie informierten darüber, dass der Ort Polotsk in Belarus als einer der geografischen Mittelpunkte Europas bekannt ist. Sie erlebten interessierte und gastfreundliche Menschen, die ihnen und den Deutschen zugewandt waren. Gorski sprach in seinem Bericht über ein blühendes Land – sein Geburtsland - und dessen Weg dahin. Eine Wohneigentumsquote von etwa 90 Prozent, Industriearbeitsplätze, Ordnung und Sicherheit bei wenig Polizei zeugten von Wohlstand mit dem Ergebnis »hoher Zustimmungswerte für den Präsidenten«.
Auch Kunst und Kultur haben in Belarus einen hohen Stellenwert. Darüber berichtete der Bundesverdienstkreuzträger Dr. Heinz Wehmeier, der diese Auszeichnung für sein jahrzehntelanges Engagement für Kultur- und Bürgeraustausch erhalten hat. Er studierte in Weißrussland Musik und fördert als Vorsitzender der Deutsch-Russländischen Gesellschaft die Völkerverständigung auf diesem Gebiet von Wittenberg aus. Ein ganzjährig voller Veranstaltungskalender zeugt von der kontinuierlichen Arbeit der Beteiligten. Über 3.000 weißrussische Musiker besuchten in den vergangenen 30 Jahren Wittenberg dank des Engagements Wehmeiers. Aufgrund von Sanktionen seien gegenseitige Besuche erschwert, aber möglich.
Die vom Verein Privates Institut für mediale und kulturelle Vielfalt in Bad Sulza organisierte Wochenendveranstaltung wurde umrahmt von musikalischen Beiträgen des ukrainischen Ensembles Vinotschok, das mit kraftvollen und melancholischen Liedern in deutscher und ukrainischer Sprache den Wunsch nach Frieden ausdrückte. Anna Koch eröffnete den Sonntag mit einem virtuosen Violinsolo.
PM-PIV
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Der Autor Udo Wohlfeld berichtete am 6. Juni in der von Marion Schneider moderierten Veranstaltung »Leben mit Katastrophen« über seine Erkenntnisse des sowjetischen Kriegsgefangenenlagers in Bad Sulza.
Foto: salve.tv