In der aktuellen Folge des Podcasts »Gloriosa – der Rotary-Podcast aus Erfurt« spricht Jochen Fasco vom Rotary Club Erfurt-Gloriosa mit dem renommierten Historiker Prof. Dr. Hermann Schäfer über sein neues, vielbeachtetes Buch »Die Rotary Clubs im Nationalsozialismus« aus dem Wallstein-Verlag.
In der aktuellen Folge des Podcasts »Gloriosa – der Rotary-Podcast aus Erfurt« spricht Jochen Fasco vom Rotary Club Erfurt-Gloriosa mit dem renommierten Historiker Prof. Dr. Hermann Schäfer über sein neues, vielbeachtetes Buch »Die Rotary Clubs im Nationalsozialismus« aus dem Wallstein-Verlag.
Im Mittelpunkt des Gesprächs stehen das Verhalten der Rotary Clubs während der NS-Zeit, das Schicksal ausgegrenzter und verfolgter Mitglieder sowie auch Erkenntnisse zu Erfurter Rotariern zu Zeiten des Nationalsozialismus. Das Gespräch wurde am geschichtsträchtigen 31. Januar, dem Tag der seinerzeitigen NS-Machtergreifung 1933, geführt und am Rande der diesjährigen Distrikt-Halbjahreskonferenz 2026 im bayerischen Kloster Banz aufgezeichnet. Dort erhielt Prof. Schäfer von den Anwesenden zirka 160 Teilnehmenden stehende Ovationen für seinen Vortrag zur Buchthematik und einer Auswahl von mehr als 300 recherchierter Einzelschicksale der damaligen Zeit sowie seinen Kampf um Aufklärung und Transparenz.
Ausschlüsse und Ausgrenzungen
Prof. Hermann Schäfer (83), habilitierter Wirtschafts- und Sozialhistoriker, war unter anderem Gründungspräsident der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland sowie Ministerialdirektor im Bundeskanzleramt. In dem Podcast erläutert der Bad-Godesberger Rotarier die historischen Hintergründe des Service-Clubs als weltumspannende Bewegung und warum diese Internationalität von den Nationalsozialisten früh als Bedrohung wahrgenommen wurde. Anschaulich beschreibt Schäfer, wie es ab 1933 unter massivem politischen Druck zu Ausschlüssen, Ausgrenzungen und dem Verlust der Mitgliedschaft zahlreicher Rotarier kam – häufig automatisch nach Berufsverlust oder aufgrund jüdischer Herkunft.
Ein besonderer Schwerpunkt des Gesprächs liegt auf der sogenannten »ersten« und »zweiten Schuld« von Rotary: dem schnellen Abbruch von Freundschaften und Solidarität während der NS-Zeit sowie der jahrzehntelangen Verdrängung und Beschönigung dieser Geschichte nach 1945. Schäfer schildert eindrücklich Einzelschicksale prominenter Rotarier wie Konrad Adenauer oder Thomas Mann und macht deutlich, wie tief die moralischen Brüche innerhalb der Clubs waren.
Blick auf Erfurt
Auch der Blick auf Erfurt kommt nicht zu kurz. Der 1932/33 gegründete damalige Rotary Club Erfurt, der sich 1937 auflöste, weist nach Schäfers bisherigen Recherchen interessante Besonderheiten auf – etwa im Umgang mit jüdischen Mitgliedern wie dem bekannten Unternehmer Benary. Weiter Informationen zur damaligen Zeit sind im Übrigen aus dem Podcast aus dem Jahre 2022 zum Thema »Wie war das mit Rotary in der NS-Zeit« mit Thomas Hutt zu erfahren.
Der Podcast mit Prof. Schäfer versteht sich auch als Anstoß an Rotary-Clubs, die eigene lokale Geschichte weiter zu erforschen und Verantwortung aus der Vergangenheit für Gegenwart und Zukunft abzuleiten.
Mit dem Gespräch knüpft der Rotary Club Erfurt-Gloriosa an sein Selbstverständnis an, gesellschaftliche Debatten anzustoßen und rotarische Werte wie Menschlichkeit, Verantwortung und Zivilcourage kritisch zu reflektieren – gerade vor dem Hintergrund aktueller Demokratiegefährdungen und wachsender Diskriminierung.
RCEG
Zum Bild:
Prof. Dr. Hermann Schäfer bei der Rotary-Disktriktkonferenz am 31. Januar 2026 in Kloster Banz.
Foto: Rotary-Club Erfurt-Gloriosa