Laut Recherchen von »Frag den Staat«, einem von der gemeinnützigen Organisation Open Knowledge Foundation Deutschland betriebenen Portal für Informationsfreiheit, hat Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) im Laufe seiner Amtszeit routinemäßig Beiträge und Reden teils vollständig von KI-Programmen verfassen lassen. Dies auch zu sensiblen Anlässen, wie dem Holocaust-Gedenktag oder der Trauerfeier seines verstorbenen Vorgängers. In einem Beitrag zu einem Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren seien dabei sogar wissenschaftliche Zitate frei erfunden worden.
Laut Recherchen von »Frag den Staat«, einem von der gemeinnützigen Organisation Open Knowledge Foundation Deutschland betriebenen Portal für Informationsfreiheit, hat Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) im Laufe seiner Amtszeit routinemäßig Beiträge und Reden teils vollständig von KI-Programmen verfassen lassen. Dies auch zu sensiblen Anlässen, wie dem Holocaust-Gedenktag oder der Trauerfeier seines verstorbenen Vorgängers. In einem Beitrag zu einem Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren seien dabei sogar wissenschaftliche Zitate frei erfunden worden.
»Wenn ich vor ein paar Wochen im Abitur einfach Zitate erfunden hätte, wäre ich durchgefallen. Wenn Mario Voigt das macht, sind es zeitgemäße Hilfsmittel«, kommentiert Luisa Zinke, Landessprecherin der Grünen Jugend Thüringen, den Umgang des freistaatlichen Landeschefs mit Künstlicher Intelligenz. Kein Wunder, meint sie, dass der Mann seinen Doktortitel verloren habe. »Der Ministerpräsident mischt sich immer wieder in Kulturkampfdebatten um Radiomusik und Social-Media-Verbote ein, statt die Zeit sinnvoll zu nutzen und sich selbst ein bisschen Medienkompetenz anzueignen. Lasst uns doch einfach mal in Ruhe und macht Euren Job! Mit der Bewältigung der Klimakrise hätte Voigt eigentlich genug zu tun, um keine Scheindebatten lostreten zu müssen.«
»Grundsätzlich halte ich sowieso fast alle meiner Reden frei«
Laut »welt.de« rechtfertigte sich Voigt zu den »Frag den Staat«-Vorwürfen im »Tagesspiegel«: »Wenn es wirklich einzelne Passagen gab, die auch mit Hilfe von KI erstellt worden sind, dann werde ich dafür keinem den Kopf abreißen. Grundsätzlich halte ich aber sowieso fast alle meiner Reden frei.« Ohnehin mache er sich für den Einsatz von KI stark. Auf dpa-Anfrage wollte sich Voigt zu den von »Frag den Staat« geäußerten Fällen zunächst nicht äußern.
Zu den zuletzt in einem Gastbeitrag über den Anteil deutschsprachiger Musik im Radio von Voigt und seinem Amtskollegen in Sachsen-Anhalt, Sven Schulze, in der »Welt« entdeckten Auffälligkeiten in Sachen KI-Nutzung erklärt die Thüringer Grüne Jugend-Landessprecherin Sara Marie Schläger: »Der ganze Fall ist total absurd und voll an geballter Inkompetenz. Ausgerechnet in einer Debatte über die Musikbranche, in der die Musikerinnen und Musiker durch KI und Streamingdienste unter Druck stehen, einen Beitrag von KI schreiben zu lassen, geht um Welten an den Bedürfnissen der Künstler vorbei. Genauso, wie Reden zu wirklich wichtigen Gedenktagen, wie dem 27. Januar, von künstlicher Intelligenz verfassen zu lassen. Das ist ein würdeloses Verhalten gegenüber Angehörigen und Holocaust-Überlebenden und zeigt wenig Empathie. Man braucht wenig politisches Gespür und ein viel zu großes Ego, um so unreflektiert zu handeln.«
Depubliziert
Inzwischen hat die FAZ sogar einen Gastbeitrag von Mario Voigt auf der Website depubliziert und im FAZ-Archiv gesperrt. Auslöser für die Entscheidung war nach einer Meldung von »bild.de« eine Recherche des Portals »Frag den Staat«. Dort hätte man den Beitrag des CDU-Politikers durch das Erkennungsprogramm Pangram prüfen lassen – mit einem brisanten Ergebnis: 100 Prozent KI-Anteil. Zudem hätten sich laut »bild.de« drei wörtliche Zitate von Experten – dem Psychologen Jonathan Haidt, dem Neurobiologen Gerald Hüther und dem Neurowissenschaftler Manfred Spitzer – nicht belegen lassen.
Mario Voigt steht derzeit ohnehin wegen Plagiatsvorwürfen in der Kritik: Wegen der Verwendung von Textpassagen in seiner Doktorarbeit aus Sekundärliteratur ohne entsprechende Kenntlichmachung hatte die Technische Universität Chemnitz dem thüringischen Landeschef nach intensiver Prüfung seinen Doktortitel aberkannt. Voigt selbst hält diese Entscheidung für nicht nachvollziehbar und hat dagegen Widerspruch eingelegt.
Eines steht fest: Bei der Erstellung seiner Doktorarbeit hat der Gescholtene zumindest keine Künstliche Intelligenz genutzt. Das war damals technisch einfach noch nicht möglich.
Jörg Schuster
Zum Bild
Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt schreitet am 28. Januar 2026 zu einer eigens einberufenen Pressekonferenz in der Staatskanzlei. Dort nahm der Regierungschef Stellung zur Aberkennung seines Doktortitels durch die Technische Universität Chemnitz. Ausschlaggebend dafür war, dass Textpassagen in seiner Doktorarbeit aus Sekundärliteratur ohne entsprechende Kenntlichmachung verwendet worden waren. Die Nutzung Künstlicher Intelligenz jedenfalls war zum damaligen Zeitpunkt noch nicht möglich.
Screenschot: salve.tv