Die Zentralklinik Bad Berka bietet seit knapp einem Jahr ein neuartiges Verfahren zur Behandlung von Gelenkschmerzen an. Die neue Therapiemöglichkeit wurde mittlerweile bei 20 Patienten erfolgreich angewendet.
Die Zentralklinik Bad Berka bietet seit knapp einem Jahr ein neuartiges Verfahren zur Behandlung von Gelenkschmerzen an. Die neue Therapiemöglichkeit wurde mittlerweile bei 20 Patienten erfolgreich angewendet.
TAPE ist die Abkürzung für transarterielle periartikuläre Embolisation. Das bedeutet, dass kleine Gefäße rund um das betreffende Gelenk gezielt verschlossen werden. Davon können Patienten mit degenerative Gelenkveränderungen profitieren, zum Beispiel bei Kniegelenksarthrose, Frozen Shoulder oder degenerativen Sehnenveränderungen. »Bei diesen Erkrankungen steht für die Patienten der Schmerz im Vordergrund und natürlich die damit einhergehende Funktionseinschränkung. Mit diesem noch recht jungen Verfahren kann man beide Parameter positiv beeinflussen, ohne eine große OP, wie zum Beispiel beim Gelenkersatz«, erklärt PD Dr. Birger Mensel, Chefarzt am Zentrum für diagnostische und Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie.
Künstliche Gelenke halten nicht ewig
Die Vorteile des Verfahrens, das von den Krankenkassen bezahlt wird, liegen zum einen in ihrem minimal-invasiven Ansatz, einem nur eintägigen Klinikaufenthalt und die umgehende Schmerzlinderung oder –freiheit in dem behandelten Bereich. Darüber hinaus werde auch ein späterer Teilgelenkersatz oder Gelenkersatz nicht erschwert. »Man muss auch bedenken, dass künstlichen Gelenke nicht ewig halten. Wenn wir also Menschen vorher schonend und effektiv behandeln können, um die Schmerzen zu lindern, sind auch perspektivisch weniger große Operationen nötig«, erklärt der Chefarzt.
Besserung von bis zu zwei Jahren nachgewiesen
Bei dem Eingriff in örtlicher Betäubung werden über einen Hautschnitt von fünf Millimeter feine Kathetermaterialien über die Arterien unter Kontrolle mit einem Röntgengerät (Angiographie) zu den pathologischen Gefäßen gesteuert und verschlossen. Ziel ist es, die verstärkte Durchblutung im Bereich der Gelenkinnenhaut, wodurch die Entzündungsreaktion und damit der Schmerz aufrecht erhalten werden, zu stoppen. »Es gibt Studien, die eine Besserung von bis zu zwei Jahren nachgewiesen haben. Es kann natürlich auch länger sein, die Daten fehlen noch, weil das Verfahren recht jung ist. Was wir ebenfalls noch nicht wissen, ist auch die mögliche Wirkung bei einem Wiederholungseingriff«, so PD Dr. Mensel.
Pro Eingriff werden zwei bis sechs Gefäße pro Gelenk behandelt, im Schnitt dauert ein Eingriff nicht länger als eine Stunde. »Ich glaube, das Spannende wird sein, die Indikationen weiter auszudehnen. Hier sehe ich zum Beispiel auch Potenzial bei den Großzehgrundgelenken mit häufigen degenerativen Veränderungen und den damit verbundenen Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Es gibt ja auch Menschen, die aufgrund von anderen Vorerkrankungen für einen operativen Gelenkersatz nicht in Frage kommen. Hier sehe ich einen möglichen Einsatzbereich, mit der Embolisation und entsprechender Nachbehandlung die Schmerzen zu lindern und Beweglichkeit auch ohne Operation herzustellen.«
Anke Geyer
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Dr. Birger Mensel ist Chefarzt am Zentrum für diagnostische und Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie der Zentralklinik Bad Berka GmbH.
Foto: Delf Zeh