Christoph Matthes ist Präsident des Landesverbandes Thüringer Karnevalvereine e.V. in Erfurt. Seine eigentlich an die Karnevalsfreunde gerichtete Botschaft vor dem Osterfest ist eine Würdigung für das Ehrenamt im Freistaat und für das vielfältige Miteinander. Worte, die nicht nur dem närrischen Volk, sondern auch dem Normalbürger Zuversicht vermitteln können.
Christoph Matthes ist Präsident des Landesverbandes Thüringer Karnevalvereine e.V. in Erfurt. Seine eigentlich an die Karnevalsfreunde gerichtete Botschaft vor dem Osterfest ist eine Würdigung für das Ehrenamt im Freistaat und für das vielfältige Miteinander. Worte, die nicht nur dem närrischen Volk, sondern auch dem Normalbürger Zuversicht vermitteln können.
»Es liegt eine besondere Zeit hinter uns. Eine Saison voller Klang, voller Farben, voller Begegnungen. Säle, die die Seele getragen haben. Bühnen, die geleuchtet haben. Menschen, die für einen Moment das Alltägliche hinter sich gelassen und etwas geschaffen haben, das man nicht planen kann – aber spürt. Und dann wurde es stiller. Mit dem Aschermittwoch kam nicht einfach das Ende. Sondern ein Übergang. Eine Zeit, die nicht weniger wertvoll ist – nur leiser. Die Fastenzeit lädt uns ein, innezuhalten. Zurückzublicken. Und vielleicht auch zu erkennen, was bleibt, wenn der Applaus verhallt. Vielleicht ist es genau dieses eine Wort: L(i)eben.
Denn wir haben in der letzten Saison beides gesehen.
Das Leben – in seiner Vielfalt, seiner Kreativität, seiner Gemeinschaft.
Und die Liebe – in der Art, wie Menschen sich einbringen, füreinander da sind, Verantwortung übernehmen.
Und genau darin liegt mehr, als man auf den ersten Blick sieht. Mit der Aufnahme des Faschings in Ostdeutschland in die Landesliste des immateriellen Kulturerbes in Thüringen ist nun offiziell, was längst Wirklichkeit ist: Dass wir nicht nur Veranstaltungen organisieren. Sondern Kultur gestalten. Dass wir nicht nur Tradition bewahren. Sondern Gemeinschaft weitergeben. Dass wir nicht nur feiern. Sondern verbinden.
Wir sind nicht plötzlich Kulturerbe geworden. Wir waren es schon immer. Jetzt steht es auch geschrieben. Und vielleicht ist genau das der Moment, innezuhalten und sich bewusst zu machen, was uns ausmacht:
Kulturerbe l(i)eben.
Gemeinschaft l(i)eben.
Ehrenamt l(i)eben.
Nicht als Anspruch.
Sondern als Haltung.
Gerade in diesen Tagen wird spürbar, wie sehr dieser Gedanke trägt.
Der Ramadan liegt hinter uns– geprägt von Verzicht, Besinnung und Gemeinschaft.
Das Passahfest steht bevor – als Erinnerung an Aufbruch und Befreiung.
Und wir feiern Ostern – die Auferstehung, die Hoffnung, dass aus dem Ende neues Leben wächst.
Drei Wege. Drei Traditionen. Und doch ein gemeinsamer Kern: Dass Leben mehr ist als das, was gerade sichtbar ist. Dass nach der Dunkelheit wieder Licht kommt und jeder Neubeginn einen Moment der Stille braucht. Vielleicht ist genau das die leise Wahrheit hinter all dem Lärm, den wir so l(i)eben. Dass wir nicht nur feiern, wenn alles leicht ist. Sondern dass wir tragen, wenn wir es uns nicht einfach machen und wir nicht nur auftreten, sondern füreinander einstehen. Das grüne Herz schlägt Karneval– bunt wie Konfetti und offen wie ein Lächeln. Stark wie eine Gemeinschaft, die weiß, warum sie tut, was sie tut.
Und vielleicht ist genau das der Gedanke, der uns weiterträgt: Karneval l(i)eben.
Nicht nur in der Saison.
Sondern im Miteinander.
Im Glauben – wie auch immer er gelebt wird.
Und in der Überzeugung, dass das, was uns verbindet, größer ist als das, was uns trennt.
In diesem Sinne wünsche ich Euch, Euren Familien, allen Partnern, Unterstützern und Wegbegleitern ein gesegnetes, hoffnungsvolles und verbindendes Osterfest.
Mit Dank für alles, was war und mit Zuversicht für alles, was kommt.«