Am Helios Klinikum Erfurt ist das neue roboterassistierte Bronchoskopie-System ION erfolgreich in Betrieb gegangen. Dieses ermöglicht Ärztinnen und Ärzten, besonders tief in die Lunge vorzudringen und Proben von verdächtigem Lungengewebe zu entnehmen. Die ersten Patientinnen und Patienten wurden in dieser Woche mit der innovativen Technologie untersucht.
Am Helios Klinikum Erfurt ist das neue roboterassistierte Bronchoskopie-System ION erfolgreich in Betrieb gegangen. Dieses ermöglicht Ärztinnen und Ärzten, besonders tief in die Lunge vorzudringen und Proben von verdächtigem Lungengewebe zu entnehmen. Die ersten Patientinnen und Patienten wurden in dieser Woche mit der innovativen Technologie untersucht.
Mit dem ION-System erweitert das Klinikum sein Spektrum in der modernen Lungendiagnostik und gehört damit deutschlandweit zu den ersten Lungenkrebszentren, die das Robotik-System in der regulären Patientenversorgung einsetzen. Die robotergestützte Navigation ermöglicht es, auch schwer erreichbare Bereiche der Lunge präzise und schonend zu untersuchen. Dies kann insbesondere bei der frühzeitigen Abklärung von Lungenveränderungen entscheidende Vorteile bieten. Je früher Lungenkrebs erkannt wird, desto besser sind die Behandlungschancen.
Klares Ziel
Bisher gab es in Deutschland kein Lungenkrebsfrüherkennungsprogramm, wie es beispielsweise in der Brust- oder Darmkrebsvorsorge existiert. Nun hat sich einiges getan und langjährige Raucherinnen und Raucher können sich in einem Screening untersuchen lassen. »Früherkennung verfolgt ein klares Ziel: Lungenkrebs soll in einem möglichst frühen Stadium erkannt werden, in dem eine heilende oder langfristig kontrollierende Behandlung noch möglich ist. Mit dem neuen Robotik-System ergeben sich dafür ganz neue Möglichkeiten. Der heutige Auftakt war ein voller Erfolg und ist ein bedeutender Fortschritt in der Früherkennung von Lungenkrebs«, sagt Chefarzt der Pneumologie, Dr. Jens-Uwe Bauer, Leiter des DKG-zertifizierten Lungenkrebszentrums im Helios Klinikum Erfurt.
»Bestätigt sich der Verdacht auf ein Lungenkarzinom, kann die weitere Behandlung im Robotikzentrum Mitteldeutschland erfolgen. Dort besteht – je nach individuellem Therapieplan – die Möglichkeit einer Entfernung mittels minimalinvasiver Chirurgie mit dem robotischen Assistenzsystem DaVinci. Für die Patientinnen und Patienten eröffnet dies im besten Fall eine Behandlung in einem frühen Tumorstadium, besonders schonende Eingriffe und eine schnellere Erholung«, erklärt Dr. Jörg Kluge, Chefarzt der Thoraxchirurgie und ebenfalls Leiter des Lungenkrebszentrums im Helios Klinikum Erfurt.
Lungenkrebs: häufig unentdeckt und häufig tödlich
Rund 45.000 Menschen sterben jährlich an den Folgen von Lungenkrebs, damit ist dieser bei Männern die häufigste Krebs-Todesursache, bei Frauen die zweithäufigste. »Lungenkrebs bleibt zu Beginn oft unbemerkt, da kaum Beschwerden auftreten. Deshalb wird die Erkrankung häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt – dann, wenn sich der Krebs bereits ausgebreitet hat«, weiß Dr. Bauer. »Das strukturierte Lungenkrebsscreening ist daher ein großer Gewinn für die Betroffenen, weil wir künftig deutlich mehr Erkrankungen frühzeitig erkennen können«, ergänzt der erfahrene Pneumologe. Bisher wurde nur bei eindeutig auftretenden Symptomen wie langanhaltendem Husten oder Bluthusten eine radiologische Untersuchung als Kassenleistung verordnet.
Was ist die Lungenkrebsfrüherkennung?
Unabhängig von bereits auftretenden Beschwerden sind nun starke und langjährige Raucherinnen und Raucher ab 50 Jahren berechtigt, sich mit einem sogenannten Niedrigdosis-CT auf Lungenkrebs untersuchen zu lassen. Bei dieser radiologischen Untersuchung werden in einer Computertomografie räumliche Bilder der Lunge erstellt, auf denen Tumore beziehungsweise verdächtige Gewebeverdichtungen in der Regel gut zu erkennen sind. Startpunkt für Personen mit Risiko einer Lungenkrebserkrankung ist ein hausärztliches Beratungsgespräch, auf das eine Überweisung an eine radiologische Praxis zum Screening folgt.
Spezialisierte Lungenkrebszentren zur Befund-Abklärung und Prüfung
»Wer nach einer CT-Untersuchung einen auffälligen Befund erhält, sollte sich in einem spezialisierten Lungenkrebszentrum vorstellen. Dort sind sowohl die notwendige Expertise als auch moderne technische Ausstattung für eine verlässliche Diagnostik und Behandlung vorhanden«, rät Dr. Bauer. Helios betreibt rund ein Dutzend hochspezialisierte Lungenzentren, die eng im Verbund mit weiteren Kliniken und Arztpraxen vernetzt sind. Ziel ist es, die hochwertige medizinische Versorgung in regionalen Netzwerken weiter auszubauen und Behandlungen gezielt dort zu ermöglichen, wo die höchste medizinische Expertise vorhanden ist. Innerhalb von Helios wird Lungenkrebs jährlich in mehr als 32.000 Fällen behandelt – gleichzeitig erhalten Patientinnen und Patienten standortunabhängig Zugang zu erfahrenen Expertinnen und Experten.
In den spezialisierten Lungenkrebszentren werden Entscheidungen über eine individuelle Behandlung stets interdisziplinär mit dem geballten Wissen aus unterschiedlichen Fachrichtungen getroffen. Zudem werden moderne Verfahren wie Künstliche Intelligenz zur Unterstützung der Befundanalyse eingesetzt. Neben Erfurt setzen die Helios Lungenkrebszentren in Berlin, Bonn/Siegburg, Krefeld/Duisburg und Wiesbaden nun bei der Diagnostik auf das innovative roboterassistierte Bronchoskopie-System Ion.
Gesine Grimm
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Innovation in der Lungenkrebsdiagnostik: Dr. Jens-Uwe Bauer bedient das neue Robotiksystem ION.
Foto: HKTM-Archiv